Ortsname
Dies ist eine schwieriges und heikles Thema, da sich die Namensforscher von damals bis heute selbst nicht ganz sicher sind und in Abhängigkeit von GRÄN & INGEN unterschiedliche Deutungen möglich sind.
Ich selbst habe in der Literatur schon Hinweise gesehen, wo sogar Gräningen = Gröningen verzeichnet war.
Durch einen Artikel in der MOZ vom 22. November 2019, recherchiert von Rene Wernitz, fühlte sich der renomierte Professor Jürgen Udolph vom Zentrum für Namensforschung in Schwanewede direkt am 5. Dezember 2019 veranlasst, auf seiner Facebook Seite die Recherche etwas zu hinterfragen. Denn Rene Wernitz schreibt, dass unklar ist, wie Gräningen zu seinem Namen kam. Der Artikel ist heute noch im Netz zu finden.
Daraufhin von mir angeschrieben und mit Verweis auf diese Homepage, hat Professor Udolph das Thema nochmals aufgegriffen und am 28. April 2020 wie folgt niedergeschrieben.
Zitat:
"Gräningen der Name dieses Ortsteils von Nennhausen im Havelland ist ein schwieriger Name.Ich will versuchen, das im Folgenden genauer zu erläutern.
Wie jeder Deutungsversuch, so muss auch hier von einer guten und überzeugenden Auflistung der historischen Belege ausgegangen werden. Man findet sie für fast ganz Brandenburg in den bisher 12 Bänden des Brandenburgischen Namenbuchs, konkret hier: Fischer, R. E.: Die Ortsnamen des Havellandes (BNB 4). Weimar 1976, S. 124-125. Darin die historischen Belege:
1375 Greningen, Grenynge,
1383 Grenynghe,
1415 Greninghe,
1450 Grenygen, Grenjnghe,
1527 Grenyngen,
1541 Grenink,
1671 Gräningen.
Zur Deutung schreibt R.E. Fischer: „Der Name ist übertragen, denn mittelniederdeutsch grēninge ՙGrünland, Weideplatz in und vor Dünen ist nur im Friesischen belegt. M. Bathe (1955) erwägt Namenübertragung von der Wüstung Grening im Kreis Soest, 1068 Grening.
Das ist kaum wahrscheinlich, da es keine Parallelen für sichere Namenübertragungen aus Westfalen gibt. Eher kommt wohl als Ausgangsort in Frage: Greveninge bei Westkapelle Arr. Brugge, in Belgien, 737 (Kopie 941) Grifningas, 737 (Kopie Mitte 11. Jh.) Greueninge“. Fischer weiter: Groeningen kommt nicht in Frage, weil hier ein -o- anzusetzen ist, das in Gräningen nicht zu erkennen ist.
Entscheidende Frage:
Warum rechnen Fischer und Bathe mit einer Namenübertragung im Zuge der deutschen Ostsiedlung oder der Zuwanderung von Flamen und Niederländern?
Antwort:
Weil die Bildung eines Ortsnamens im Havelland zur Zeit der Zuwanderung mit Deutschen oder Niederländern mit einem Element ing- nicht mehr möglich war. Ortsnamen mit -ing- wie Göttingen, Groningen, Beddingen, Berklingen, Cremlingen, Heiningen, Kneitlingen, Küblingen, Remlingen, Sauingen, Üfingen u.a.m. sind viel früher entstanden, man schätzt etwa zwischen Christi Geburt und dem 6. Jh. n. Chr.
Das bedeutet, dass eine Bildung mit -ing- in einem Gebiet, das erst ab dem 11./12. Jh. erreicht worden ist, nicht mehr möglich ist.
Das gilt heute als allgemein anerkannt.
Inzwischen habe ich mich selbst einmal mit dem Ortsnamen beschäftigt, in dem folgenden Beitrag: Max Bathes „Lichtervelde – Lichterfelde“ kritisch betrachtet. In: Sprachkontakte. Niederländisch, Deutsch und Slawisch östlich von Elbe und Saale, Frankfurt/Main usw. 2004, Seite 187-248. Man kann diesen Beitrag im Netz finden.
Darin gehe ich auf Seite 216 ff. auf den Namen ein und denke, dass eine Übertragung von dem Ortsnamen bei Soest doch möglich ist.
Aber: Eine neuere Untersuchung der Ortsnamen des Kreises Soest von M. Flöer und C.M. Korsmeier - zu lesen auf den Seiten der Göttinger Akademie der Wissenschaften/Res Doctae - zeigt auf Seite 196 ff. dass es mit dem Ortsnamen bei Soest Probleme gibt.
Es ist nicht sicher, ob es wirklich einen Ortsnamen „Grening“ gegeben hat, denn die Autoren behandeln ihn unter „Greling“!!
Aber im weiteren Verlauf der Diskussion erläutern sie die -l-Schreibungen dann als spätere Abweichungen von „Grening“ und stellen den Namen zu mittelniederdeutsch grēn „Sand, Kies“ usw. mit der Schlussfolgerung: der Name bezeichnete „eine Stelle mit sandigem oder körnigen Boden“.
Und damit erhöht sich wohl die Wahrscheinlichkeit, dass es zwischen dem Ort bei Soest und Gräningen eine Beziehung gibt.
Im Augenblick würde ich das so zusammenfassen: Siedler aus Greling/Grening bei Soest sind im Zuge der Ostsiedlung nach Gräningen gekommen und haben den neuen Wohnort nach dem alten benannt.
Das gab es nicht selten, auch die Rattenfängersage kann hier nach meiner Auffassung eine Erklärung finden (im Internet zu finden unter dem Titel: „J. Udolph, Die Rattenfängersage aus namenkundlicher Sicht“).
Die Siedler nennen den neuen Ort „Greningen“ in Erinnerung an den alten.
Ob das Sandvorkommen bei Gräningen, das ja wohl unstrittig ist, hier eine Rolle gespielt hat?
Ich wage es nicht, das zu behaupten … Aber die parallele Bodenart ist schon auffallend …
So in etwa sehe ich den Stand der Dinge bei dem Ortsnamen Gräningen." <Zitat Ende>
Fazit:
Es bleibt also spannend, was kommende Generationen an Namensforschern dazu noch ausgraben oder beitragen.
Evtl. doch eine Tafel aus der frühen Besiedlung in der Slawenzeit 600 nach Christi Geburt oder früher, wo der Ortsname so oder in ähnlicher Form bereits in Stein gemeißelt ist.
