1. Kurioses
Gräningen in der Luftschifffahrt 1880
In einem Artikel von G. Badermann “Aus den Anfängen der Luftschifffahrt” wird Folgendes erwähnt.
Hier ein Auszug:
In der uns vorliegenden, von der Gemeindebehörde zu Nennhausen beglaubigten Schilderung wird der Hergang folgendermaßen dargestellt:
" In der Nacht zum 26. v.M. wurden die Ortsbewohner durch laut Hilferufe, sowie durch die Signale des Wächters aus dem Schlafe erschreckt.
Als sie auf die Straße eilten, sahen sie, ziemlich niedrig in der Luft fliegend einen großen Luftballon, dessen Gondel auf die Dächer aufstieß, Baumkronen und Telgraphenstangen streifte und hörten mehrere Insassen dieser Gondel laut um Hilfe rufen. Mehrere Leinen hingen aus der Gondel bis auf die Erde herab, aber es gelang keinem der Ortsbewohner, dieselben zu ergreifen, da sie immer wieder infolge der Gondelbewegungen fortgeschnellt wurden. Schließlich riefen dieselben den Luftschiffern zu, den Anker zu werfen, worauf die Antwort erfolgte:
" Wir haben keinen mehr!".
Der Ballon nahm nach Verlassen des Dorfes, von den Ortsbewohnern noch immer verfolgt, die Richtung nach Gräningen. Fast schien es, als ob er im Gräninger See neidergehen wollte.
Seine Verfolger mussten natürlich um den See herumlaufen und sahen plötzlich, als der Ballon über dem See auf dem jenseitigen Ufer sich befand, wie einer der Luftschiffer - es war der Herr Restaurateur Noack aus Berlin - aus einer Höhe von gut dreißig Fuß (ca. 9m) aus der Gondel heraussprang.
Der Sprung verlief glücklich, denn Herr Noack gelangte auf die dem See umgebende sumpfige weiche Bodendecke, in welche er allerdings fast bis an die Arme einsank. Infolge dieser Ballastverminderung stieg der Ballon wieder ganz enorm auf die Höhe und entschwand bald unseren Blicken.
Herr Restaurateur Noack wurde bald von den Ortsbewohnern getroffen und nach dem Bahnhofe Nennhausen geleitet, wo er mit dem Mittagszuge wieder nach Berlin fuhr."
Ergänzung:
Die Ballonfahrt fand am 25. August 1880 statt.
Noack hatte ein Hotel & Restaurant in der Frankfurter Allee von Berlin. Deshalb die Bezeichnung für seine Person als “Restaurateur”
2. Unglück mit tragischem Ausgang
Hier jetzt ein weiterer Unfall, der sich zu Lebzeiten von Friedrich de La Motte Fouqué zutrug.
(deutscher Dichter der Romantik, wohnhaft ab ca. 1803 im Nennhausener Schloss)
Es ertranken drei Knaben (Kinder geringer Leute) auf dem etwa eine Viertelmeile entfernten
sogenannten „Gräninger See" bei Gelegenheit einer Kahnfahrt, welche sie gemeinschaftlich unternommen hatten.
Eine in der Kirche hängende Tafel zeigt noch heute folgende von Fouqué auf diesen Fall gedichteten Verse:
(Hier ist zum damaligen Zeitpunkt sicher die Nennhausener Kirche gemeint ?!)
Den schaukelnden Kahn
Trieb östlicher Wind
Auf wogenden Well’n!
Kein Rufen in Not
Zog helfendes Herz
Zu drohenden Schwell’n
Der Kahn ist gesunken
Mit ihm auch das Leben!
Still, weinendes Herz!
Wann Christus uns ruft,
Wird liebend er heilen
Den brennenden Schmerz!
Auf dem Kreuze des Kindergrabes soll gestanden haben:
Kindlein, die der See verschlang, lockend falsch zum Spiele,
Euch macht nun nicht Welt mehr bang,
Früh kamt ihr zum Ziele!
Euern kurzen Lebensgraus,
Diesen letzten Schrecken,
Schlaft nun still und friedlich aus,
Bis am End' in Vaters Haus
Euch die Englein wecken!
